Presseartikel 2009

Hannoversche Allgemeine Zeitung, 20. März 2009:




Wenn Dawa Gyaltsen (72) über seine Arbeit als Geshe spricht, tippt er sich oft an sein Herz; es ist ihm wichtig, richtig verstanden zu werden. Ein Geshe ist eine Art Professor der tibetischen Kultur. Und um für diese auf der ganzen Welt zu werben, reist Gyaltsen derzeit drei Monate durch Europa. Zurzeit ist er Gast im Tibet-Zentrum Hannover.

Zusammen mit anderen Mönchen streut er dort seit Montag ein Sandmandala des Medizinbuddhas Sangye Menla. „Das Mandala stellt den Aufenthaltsort des Gottes dar", sagt Gyaltsen. „Beim Streuen meditieren die Mönche und versuchen, dem göttlichen Zustand nah zu sein". Gyaltsen hat schon viele Mandalas gestreut. Wenn er gefragt wird, wie viele Götter es im Buddhismus eigentlich gibt, lacht er laut los - es seien zu viele.

Für die Prozedur haben die Mönche Sand aus Indien mitgebracht. Den füllen sie in kleine Metallrohre und verteilen ihn dann gleichmäßig auf ein Holzbrett. „Etwa drei Jahre braucht man, bis man so ein Mandala fertigen kann," sagt Gyaltsen. Die Mönche lernen an der indischen Klosteruniversität Sera Je; es ist die größte der Exiltibeter. Während ihrer Reise durch Europa halten sie per Telefon Kontakt zu ihren Familien in Indien, aber auch in den tibetischen Gebieten. Vor zwei Wochen wurde der 50. Jahrestag des Tibet-Aufstandes gefeiert. „Wir schicken viele Wunschgebete", sagt Gyaltsen. Der Kontakt sei schwierig.

Das Sandmandala wird am Sonnabend zerstört und in die Ihme gestreut. Der symbolische Akt soll nach der buddhistischen Lehre die Vergänglichkeit alles Geschaffenen deutlich machen. „Unter Ehrerbietungen und inneren Verneigungen bitten wir den Gott weiterzuziehen", sagt Gyaltsen-und tippt sich dabei wieder ans Herz.